Az adatok időállapota: késleltetett. | Jogi nyilatkozat

Der Preis des Schweizer Wohlstands: Demografie, Einwanderung und die 10-Millionen-Grenze 

Interjúegy órájaSzajlai Csaba

Rund 55 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten haben die Einführung einer 10-Millionen-Bevölkerungsobergrenze abgelehnt und damit der wirtschaftlichen Stabilität sowie den bilateralen Abkommen mit der Europäischen Union Priorität eingeräumt. Hinter dieser Entscheidung steht jedoch nicht nur die Angst vor einem Fachkräftemangel, sondern auch ein tieferer, struktureller Wandel, betonte László Zennyessy, ein in Zürich lebender Wirtschaftsexperte, im Exklusivinterview mit Növekedés.hu. Seiner Ansicht nach verändert die seit 1984 um 43 Prozent gewachsene Bevölkerung sowie der rasant steigende Anteil der Stimmberechtigten mit Migrationshintergrund die politische Realität des Alpenlandes grundlegend.

Wichtigste Erkenntnisse:

Die Schweiz ist im Jahr 2026 ein wohlhabendes Land, befindet sich jedoch an einem heiklen Gleichgewichtspunkt.

Die Struktur der demokratischen Entscheidungsfindung hat sich seit 1984 grundlegend verändert: Eingebürgerte und Bürger mit ausländischem Hintergrund machen heute rund 40–41 Prozent der Gesamtbevölkerung aus und werden zu einem zunehmend bestimmenden Faktor an der Urne.

Die Ablehnung der 10-Millionen-Grenze war nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch das Ergebnis eines demografischen und politischen Prozesses, dessen langfristige Folgen noch lange nicht vollständig absehbar sind.

Rund 55 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten haben die 10-Millionen-Bevölkerungsobergrenze abgelehnt. War Ihrer Meinung nach die wirtschaftliche Stabilität und die Angst vor einem Fachkräftemangel das entscheidende Argument für die «Nein»-Stimmen?

Der entscheidende Faktor war tatsächlich die wirtschaftliche Sorge, doch das ist nur die Oberfläche. Die Mehrheit der Stimmberechtigten war der Ansicht, dass die bilateralen Abkommen mit der EU, einschliesslich des Personenfreizügigkeitsabkommens, durch eine starre Bevölkerungsobergrenze nicht gefährdet werden dürften, und dass man im Gesundheitswesen, in der Gastronomie und in vielen anderen Bereichen auf Einwanderer angewiesen sei.

Allerdings, und das wagen nur wenige offen auszusprechen, sollten wir hinterfragen, ob das Argument «man braucht sie» in jedem Fall zutrifft, oder ob es teilweise die Interessen eines Wirtschaftsmodells widerspiegelt, von dem nicht alle gleichermassen profitieren.

Die Zahlen im Vergleich: 1984 versus 2026

Bevölkerungsvergleich:

Kennzahl

1984

2026

Veränderung

Gesamtbevölkerung

6,4 Millionen

9,14 Millionen

+43 %

Ausländische Staatsangehörige

940'000 Personen

2,5 Millionen Personen

+166 %

Ausländeranteil

15 Prozent

27 Prozent

+12,7 %

Eingebürgerte (seit 1984)

1,1 Millionen

siehe unten

Ende 2025 erreichte die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 9,14 Millionen. Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger lag bei 27,4 Prozent, mit knapp 2,5 Millionen Personen.

Die Schlüsselfrage der Einbürgerungen – Wer stimmt heute ab?

Dies ist der Punkt, an dem die Debatte politisch äusserst heikel wird und an dem die Zahlen tatsächlich ein dramatisches Bild zeichnen. Zwischen 1992 und 2025 hat sich die Zahl der jährlichen Einbürgerungen etwa vervierfacht, also von rund 11'000 auf jährlich 40'000 erhöht.

Zwischen 1984 und 2026 haben mehr als 1,2 Millionen Personen durch Einbürgerung das Schweizer Bürgerrecht erworben.

Diese Menschen sind heute vollberechtigte Schweizer Stimmbürger.

Was bedeutet das für die Stimmkraft?

2024 hatten 41 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung über 15 Jahre einen Migrationshintergrund, das entspricht insgesamt knapp 3,1 Millionen Personen. Davon besassen mindestens 1,1 Millionen das Schweizer Bürgerrecht. Die Zahl der stimmberechtigten Schweizer Bürger beläuft sich auf rund 5,8 Millionen Personen. Davon machen eingebürgerte Schweizer Bürger mit Migrationshintergrund, die stimmberechtigt sind, etwa 18 - 20 Prozent aus.

Das bedeutet, dass nahezu 40- 41 Prozent der gesamten Schweizer Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben oder eingebürgert sind, dieser Anteil lag 1984 noch bei lediglich 14-15 Prozent.

Der Zusammenhang zwischen Einbürgerung und Abstimmungsverhalten – die politische Konsequenz

Dies ist ein selten diskutierter, aber äusserst wichtiger struktureller Wandel.

In den Städten lehnten 64 Prozent der Stimmberechtigten, in den Agglomerationen 55 Prozent die 10-Millionen-Grenze ab.

In den Städten, wo der Anteil eingebürgerter Bürger am höchsten ist, war der Anteil der «Nein»-Stimmen signifikant höher. Der wachsende Anteil eingebürgerter Wähler und Wähler mit Migrationshintergrund kann das politische Präferenzsystem langfristig massgeblich beeinflussen. Die Struktur der demokratischen Entscheidungsfindung in der Schweiz hat sich seit 1984 grundlegend verändert, und diese Tatsache darf bei der Bewertung von Abstimmungsergebnissen nicht ausser Acht gelassen werden. Das Durchschnittsalter der Einwanderer beträgt 27 Jahre (BFS 2024), während es bei der Gesamtbevölkerung bei 42,5 Jahren liegt. Das bedeutet, dass durch die Einbürgerungen zunehmend junge Schweizer Bürger mit Migrationshintergrund zur Wählerbasis hinzukommen, die in der Regel zu einer offeneren Einwanderungspolitik tendieren.

Dies ist ein nachhaltig wirkender, sich selbst verstärkender demografischer Prozess.

In der Schweiz sind Unternehmen, Spitäler und Altersheime in hohem Masse auf qualifizierte Arbeitskräfte aus der EU angewiesen. Welche wirtschaftlichen Schäden hätte ein Zuwanderungsstopp den Unternehmen zugefügt?

Jährlich scheiden rund 20'000 Personen mehr aus dem Arbeitsmarkt aus, als junge Berufseinsteiger nachrücken. Gleichzeitig altert die Gesellschaft, und der Bedarf an Gesundheitsversorgung und Pflege wächst rasant. Einwanderer tragen rund ein Drittel der AHV-Beiträge (Altersvorsorge), nehmen jedoch nur etwa ein Fünftel der Leistungen in Anspruch. Wir müssen jedoch auch die umgekehrte Frage stellen, die in der politischen Debatte praktisch nie gestellt wird:

Würde man weniger Pflegefachkräfte, Bauarbeiter und Kellner benötigen, wenn die einwandernde Bevölkerung selbst kleiner wäre?

Die Antwort lautet teilweise ja. Ein erheblicher Teil der Belastung des Gesundheitssystems, der Infrastrukturinvestitionen und des Wohnungsbaubedarfs in der Schweiz resultiert gerade aus der Versorgung der einwandernden Bevölkerung selbst. Dies ist ein sich selbst erhaltender Kreislauf:

mehr Einwanderung = mehr Infrastrukturbedarf = mehr Arbeitskräftemangel = noch mehr Einwanderung.

Ich behaupte nicht, dass dieser gesamte Prozess vermieden werden sollte, wohl aber, dass diese zirkuläre Logik offen diskutiert werden müsste. Zur Frage des BIP: Das nominale BIP der Schweiz hat sich seit 1984 vervielfacht, doch das allein misst keine Lebensqualität.

Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz ist innerhalb von zehn Jahren um knapp eine Million Personen gewachsen,

das entspricht der doppelten Grösse der Stadt Zürich. Das BIP ist gestiegen, doch die Kaufkraft, insbesondere gemessen am Immobilienmarkt und an den Mietpreisen, hat sich für den Mittelstand nicht zwingend proportional verbessert.

Die Initiative wurde von vielen als «Schweizer Brexit» bezeichnet, da das Erreichen der Obergrenze die Kündigung des EU-Personenfreizügigkeitsabkommens zur Folge gehabt hätte. Welche Erleichterung bedeutet dies für die Schweizer Wirtschaft?

Monika Rühl, Direktorin von Economiesuisse, betrachtet das Abstimmungsergebnis als wichtiges Signal im Hinblick auf das bevorstehende Bilaterale-III-Verhandlungspaket und betont, dass die Initiative das Personenfreizügigkeitsabkommen sowie den bilateralen Weg insgesamt gefährdet hätte. Für die Wirtschaft bedeutet dies tatsächlich eine erhebliche Erleichterung.

Die Exportorientierung der Schweiz ist äusserst hoch; die Export-BIP-Quote lag 2024 bei rund 72 Prozent, wobei die EU einer der wichtigsten Partner der Schweizer Aussenwirtschaft ist.

Gleichzeitig bedeutet ein steigendes BIP nicht automatisch einen wachsenden Wohlstand für die Schweizer Bevölkerung, die Immobilienpreise haben sich in 40 Jahren real verdoppelt, die Mieten steigen jährlich.

Die SVP (Schweizerische Volkspartei) argumentierte mit der Wohnungskrise, den steigenden Mietpreisen und der Überlastung der Infrastruktur für die Obergrenze. Obwohl die Initiative gescheitert ist, werden die Debatten über die Einwanderung nicht verstummen. Welche alternativen Lösungen könnten zur Bewältigung dieser infrastrukturellen Probleme entstehen?

Obwohl die Initiative gescheitert ist, betonten Politiker der Mitte-Partei, dass die Ablehnung die Debatte nicht beendet, sondern der Politik einen Auftrag erteilt.

Einige konkrete Alternativen:

Wohnen: Verschärfung des spekulativen Immobilienerwerbs, Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus, weitere Stärkung der Lex Koller.

Arbeitsmarkt: Investitionen in die Ausbildung inländischer Arbeitskräfte sowie in die Automatisierung könnten die Abhängigkeit von importierten Arbeitskräften in bestimmten Branchen reduzieren, insbesondere im Baugewerbe und in der Pflege.

Demografiepolitik: Eine stärkere Geburtenförderung sowie der Ausbau der inländischen Berufsbildung, insbesondere im Gesundheitswesen, im Baugewerbe und im Sozialbereich,  könnten langfristig die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften verringern.

Wie verteilten sich die Stimmen zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerung sowie zwischen den Kantonen in dieser Frage?

In den Städten lehnten 64 Prozent der Stimmberechtigten, in den Agglomerationen 55 Prozent den Vorschlag ab, während auf dem Land die Initiative nur knapp die Mehrheit verfehlt hätte (49 Prozent «Nein»-Stimmen).

Die Kantone lehnten den Vorschlag im Verhältnis 13:10 ab. Bei den Frauen lag die Ablehnung bei 56 Prozent, bei den Männern bei 54 Prozent.

Nach Altersgruppen betrachtet hätte die Initiative bei den 35- bis 49-Jährigen knapp eine Mehrheit erhalten, während die älteren Generationen eher ablehnten. Diese Spaltung ist zutiefst symbolisch.

Die städtischen Interessen entschieden das Ergebnis, während die ländliche Schweiz, wo die Menschen die Überlastung der Infrastruktur tagtäglich erleben, anderer Meinung war.

Die Mehrheit der eingebürgerten Bürger lebt in den Grossstädten, was diese Bruchlinie zusätzlich verstärkte.

Welche Botschaft sendet diese Entscheidung im Hinblick auf die künftigen EU-Beziehungen der Schweiz, insbesondere im Lichte der Aussen- und Sicherheitspolitik sowie der bilateralen Marktverhandlungen?

Politologen zufolge spielte bei dieser Entscheidung auch die derzeitige geopolitische Unsicherheit eine Rolle, in einem instabilen sicherheitspolitischen Umfeld stimmten die Wählerinnen und Wähler eher für stabile EU-Beziehungen, insbesondere im Hinblick auf die Schengen-Zusammenarbeit.

Diese Abstimmung bestätigt eindeutig den Weg hin zu den Bilateralen-III-Verhandlungen. Für die Schweiz gibt es keine realistische Alternative zur bilateralen Zusammenarbeit. Gleichzeitig wird die Einwanderungsdebatte nicht verstummen, die von der SVP und der ländlichen Schweiz vertretenen Bedenken sind real, und sollte die Politik darauf keine substanzielle Antwort finden, könnte die nächste Volksabstimmung anders ausgehen.

Kommen wir zu den schweizerisch-ungarischen Beziehungen. Wie lässt sich der bilaterale Warenverkehr zwischen den beiden Ländern sowie das wirtschaftliche Gewicht der mehr als 800 in Ungarn tätigen Schweizer Unternehmen bewerten?

Die schweizerisch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gefestigt.

Die Schweiz ist der neuntgrösste Investor Ungarns, Schweizer Unternehmen beschäftigen rund 30'000 Personen in Ungarn, und der jährliche Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern übersteigt 2 Milliarden Euro. In Ungarn sind deutlich mehr als 800 Schweizer Unternehmen tätig. Nestlé, Novartis, Roche, ABB, Givaudan und weitere Schweizer Konzerne sind allesamt in Sektoren mit hoher Wertschöpfung in Ungarn tätig. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern beschränkt sich jedoch nicht auf die Wirtschaft.

2022 wurde ein neues Schweizerisch-Ungarisches Kooperationsprogramm gestartet, im Rahmen dessen die Schweiz Ungarn mit 87,6 Millionen Franken zur Verringerung regionaler Ungleichheiten unterstützt; das Programm läuft bis 2029.

Auf der Traktandenliste des Schweizer Parlaments stand das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung. Wie verändert dies den bilateralen Kapitalfluss in der Praxis?

Das bilaterale Steuerabkommen von 2013 wurde 2024 entsprechend den seither verabschiedeten internationalen Steuerreformen erneuert und ergänzt.

Durch die Anwendung des Abkommens kann sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen eine Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen ausgeschlossen werden; zudem ermöglicht es ein gegenseitiges Verständigungsverfahren sowie den Informationsaustausch zwischen den Behörden.

In der Praxis bedeutet dies, dass in Ungarn tätige Schweizer Unternehmen ihre Steuerstruktur effizienter planen können, der bürokratische Aufwand sinkt und der Kapitalfluss transparenter wird. Die Investitionen Schweizer Unternehmen in Ungarn werden vor allem durch die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die Marktgewinnung sowie den sektoralen Fachkräftemangel in der Schweiz motiviert, Letzteres verweist seinerseits auf das Paradox, dass die Schweiz teilweise gerade deshalb im Ausland investiert, weil sie das Lohnniveau und die Lebenshaltungskosten im Inland so stark erhöht hat, dass es wirtschaftlicher ist, bestimmte Produktions- und Dienstleistungsfunktionen im Ausland auszuführen.